Leseprobe - Psychothriller "Vater Angst"

Hier findet ihr die aktuelle Leseprobe meines neuen Psychothrillers “Vater Angst”. Ich wünsche euch viel Spaß beim reinschnuppern.

Kapitel 1 – Die Nacht der Angst – 7. Mai 2016

 

»Ein Kinderherz schlägt im Ruhezustand etwa 95-mal pro Minute, während es bei körperlicher Anstrengung bis zu 140-mal pro Minute schlägt. Wusstest du, dass man es Tachykardie nennt? Ein solch hoher Puls kommt beispielsweise auch bei Angstzuständen oder Aufregung vor. Hast du etwa gerade Angst?«          
Er blickte dem kleinen, auf dem Boden hockenden, Mädchen direkt in die Augen, während sein Zeige- und Mittelfinger fest auf die Speichenarterie ihres Handgelenks gepresst blieb.  
»Oder ist es genauso aufregend für dich? Du musst wissen, es ist auch mein erstes Mal.«  
Sie zuckte zusammen, als würde er zu einem Schlag ausholen, doch seine raue Hand streifte lediglich ihre Stirn und wischte die freien braunen Strähnen, die aus ihrem strengen Zopf gefallen waren, zurück.     
»Da war deine Mama aber ganz schön unachtsam, Jessica. Gut, dass ich jetzt da bin.«

Die am Vordach angebrachte, grell flackernde Neonröhre ist die einzige Lichtquelle, die das Wohnzimmer des Hauses der Familie Toys, in diesem Moment zumindest, ein wenig erhellte. Jessica blickte kurz vom Boden auf, während sie ihre angezogenen Knie mit den Armen umschloss. Sie waren gerade lang genug dazu. Jessica erinnerte sich daran, wie Daddy sie gestern noch stolz am Türrahmen gemessen hatte. Jeder weitere Zentimeter wurde in das braune Holz geritzt und dahinter standen, mit schwarzem Edding geschrieben, ihre Größe und ein passender, lustiger Spruch. Zum Lachen war ihr jedoch gerade nicht zumute. Kurz dachte sie darüber nach, zur obersten Schublade im Wohnzimmer zu gehen, sie zu öffnen und das Otter Mercator herauszunehmen. Sie müsste nur auf die dicke Niete am oberen Ende drücken und ‘zack!’ – die Klinge spränge heraus. Damit könnte sie ihm in den Oberschenkel stechen. »Papa hatte mir mal erklärt, dass man das Messer tief in die weiche Stelle der Innenseite des Oberschenkels sticht und anschließend die Klinge in der Wunde herumdreht. So verhindert man, dass sich der Schnitt wieder schließt und trifft bestimmt eine Arterie. Papa hatte solche große Sorge um mich, nach meinem Unfall. Gut, dass er mir den Umgang mit dem Messer gezeigt hat«, erinnerte sie sich. Aber selbst in dieser Situation musste sie diese Idee verwerfen, konnte sie doch nicht einmal einer Fliege etwas zuleide tun. Wie sollte sie dann einen so deutlich größeren Mann mit ihren 1,10 Metern überwältigen? »Jetzt bist du groß genug, um an das Süßigkeitenregal zu kommen«, war der letzte lustige Spruch, den er erst gestern schrieb. Während sich Jessicas Herzschläge nur noch wie ein schnelles, durchgehendes Beben anfühlten, war der gesichtslose Mann im Schatten der Dunkelheit ein weiteres Stück zu ihr herangerückt. Dadurch konnte sie für einen kurzen Moment etwas in seinen Augen funkeln sehen. Dies flößte ihr solch eine Angst ein, dass sie ihren Blick schnell wieder senkte    .
»Jessica, oh ich freue mich so, dass du auch so aufgeregt bist. Aber nicht, dass du noch ohnmächtig wirst. Was soll ich denn dann mit dir machen? Du weißt, ich kann dich nicht zu einem Arzt bringen.« Die Erregung ließ seine Stimme zittern, zog jede Silbe unnatürlich in die Länge und zwang ihn, immer wieder nach Luft zu schnappen. Jessicas Angst verstärkte sich und selbst einem solch jungen, unerfahrenen Mädchen wurde klar, dass diese düstere Gestalt zu allem bereit war. Er wusste vielleicht selber nicht genau, was nun der nächste Schritt war, doch dies machte ihn nur noch unberechenbarer. In dieser Erkenntnis versunken, entfernte sich seine Hand von ihren Haaren, durch die er zuvor noch strich und kehrte in die Dunkelheit zurück.

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